Blog Marketing Greenwashing vs. Green Marketing

April 2022

Greenwashing vs. Green Marketing

Unternehmen zwischen Lüge und Wahrheit

Lesezeit: 5 Minuten

Fabrik wird mit Stift grün und blau bemalt

Unternehmen gegen den Klimawandel

An Tagen, an denen sowohl in Glasgow der UN-Klimagipfel stattfindet und sogar die G20 über den Klimawandel spricht, kann dieser wohl endgültig nicht mehr abgestritten werden. Doch welche Bedeutung hat dieser für das Marketing oder besser gesagt die Kommunikation mit dem Kunden? Es gibt zwei mittlerweile feststehende Begriffe zu diesem Thema: Green Marketing und Greenwashing.

Die Bedeutung von Green Marketing

Unter Green Marketing versteht man die Kommunikation der Maßnahmen, welche im Unternehmen getroffen werden, um folgende Themen zu optimieren:

  • Verwendung von Energie zu reduzieren
  • Produkte bzw. Verpackungen ökologischer zu machen
  • Produkte aus recycelten Materialien herzustellen
  • Das Produkt recycelbar zu machen, kein Plastik zu verwenden oder gar im Idealfall keinen Abfall zu produzieren
  • lokale bzw. regionale Produkte zu nutzen und somit Transportwege zu reduzieren
  • wasserschonende Produktion zu gewährleisten
  • fair zu produzieren bzw. faire Löhne zu zahlen

All diese Maßnahmen führen, wenn sie richtig umgesetzt und kommuniziert werden zu mehr Glaubwürdigkeit beim Kunden und den anderen Stakeholdern des Unternehmens. Hierdurch können höhere Preise erzielt werden und es hat in aller Regel einen positiven Einfluss auf die Kundenbindung.

Die Bedeutung von Greenwashing

Unter Greenwashing versteht man eine reine PR-Aktion, welche der Öffentlichkeit suggeriert das Unternehmen würde sich „grün“ verhalten – nur tut es dies nicht wirklich. Die beiden Begriffe kommen von grün für Natur und Umwelt und washing was so viel bedeutet wie sich „reinwaschen“. Leider erzielen diese Maßnahmen in aller Regel nur Aufmerksamkeit aber keine positiven Effekte.

Welche Marketingmaßnahmen gab es in letzter Zeit zum Thema Green Marketing und Greenwashing und wie wurden diese in der Öffentlichkeit bewertet?

Positivbeispiele Green Marketing
Patagonia

Patagonia schafft es im Gegensatz zu anderen Marken bei recycelten Kleidungsstücken 56 % recycelte Fasern zu verwenden und dabei die übliche Qualität herzustellen.

Ritter Sport

Die Firma hat es sich zum Ziel gesetzt bis 2025 komplett klimaneutral zu wirtschaften. Das bedeutet auch, dass die Zulieferer dies ebenso machen. Der Kakao wird fair angebaut. Die Verpackung ist recycelbar und seit 2020 cradle to cradle zertifiziert. Generell ist Ritter Sport Mitglied in diversen Verbänden für Nachhaltigkeit (welche dies überwiegend auch bewiesen haben) wie zum Beispiel die Rainforest Alliance, Fairtrade-Kakao, FSC, cradle to cradle usw.

Hydrophil

Ein Unternehmen das neben ihrer klimaneutralen Bambus-Zahnbürste, Seifen, Shampoo und viele weitere großartige Produkte im Angebot hat. Auch die Verpackungen ihrer Produkte sind nicht aus Plastik, sondern aus Kartonagen.

Grohe AG

Die Grohe AG hat es geschafft mit Hilfe einer neuen Produktlinie mit dem Namen „EcoJoy“ Armaturen zu fertigen welche sage und schreibe 50 % weniger Wasser verbrauchen.

Recup

Recup hat sich zum Ziel gesetzt den Müllberg von immensen 40.000 Tonnen Kaffeebechern im Jahr zu senken. Letztlich ist es ein simples Pfandsystem, an dem sich mittlerweile viele Cafés beteiligen.

HALM

Ein vernünftiger Strohhalm ist seit dem Verbot von Plastikstrohhalmen der EU nur schwer zu finden? Nicht wirklich. Es gibt beispielsweise hervorragende Glasstrohhalme von HALM.

Trickstuff

Eine kleine Fahrradbremsen Manufaktur aus Freiburg, welche Bremsen „für die Ewigkeit“ baut. Selbst die Profis fahren meist mit Jahre alten Bremsen. Viele Einzelteile werden in Süddeutschland produziert. Als Öl für die Bremse wird ein pflanzliches Bio-Öl genutzt. Die Bremse wird in einer Holzbox verpackt. Sieht alles gut aus, gewinnt regelmäßig Tests aber hat dafür sowohl einen stolzen Preis als auch eine lange Lieferzeit.

Negativbeispiele Greenwashing
Bio-Baumwolle

Häufig wird in Südamerika erst Regenwald abgeholzt, um dann „Bio“-Baumwolle herzustellen. Baumwolle wächst weitestgehend in tropischen Gebieten und hier wird die Fläche, wo diese angebaut wird auch erst einmal abgeholzt. Ob dies noch nachhaltig ist, kann jeder für sich beurteilen. H&M Conscious ist hierfür ein gutes Beispiel. Toller Gedanke aber mit einem Anteil von 0,2 – 0,6 % an der gesamten Kollektion wenig „conscious“. Die so deklarierten Kleidungsstücke haben maximal einen Anteil von 20 % recycelten Fasern, da ansonsten die Qualität sinken soll.

Apples iPhone 12

Hier verzichtete Apple sowohl auf das Ladegerät als auch die Kopfhörer. Somit wurde die Verpackung kleiner und man kann mehr Produkte in einem Schiffscontainer transportieren. Großartige Aktion, denkt sich da zumindest der Betriebswirt in mir.

Shell´s CO2 Ausgleich

Nachdem man seinen Verbrenner mit den Shell Kraftstoffen befüllt hat und hier meist einen überdurchschnittlichen Preis zahlt, wird man neuerdings an der Kasse gefragt, ob man nicht auch noch 1,1 Cent je Liter CO2 Ausgleich bezahlen will. Hiermit kauft Shell dann CO2 Zertifikate, um sich selbst gut darzustellen. Shells Ziel bis 2050 klimaneutral zu sein, ist ähnlich ambitioniert.

Aldi´s Kampf gegen Plastik

Aldi hat angefangen 1 Cent je Plastikbeutel für Obsttüten zu verlangen. Mittlerweile sind diese wenigstens aus Bioplastik. Dennoch bleibt die Frage was mit den Umsätzen passiert.

Bullshit-Bingo

Begriffe wie „umweltschonend“ und „natürlich“ sind ohne jedwede Reglementierung und werden dementsprechend inflationär verwendet. Diese haben somit keinerlei Mehrwert und sollten eher verdächtig wirken.

Das MSC Siegel

Entwickelt von Unilever und dem WWF entstand es ursprünglich für einen guten Zweck. Leider ist nach wie vor die Arbeit mit sogenannten Grundschleppnetzen legitim. Diese zerstören allerdings den Lebensraum am Meeresboden.

Was lernen wir daraus?

Generell ist jede Kampagne grüner zu werden nur dann sinnvoll, wenn diese auf Fakten beruht und tatsächlich nachhaltig ist. Hierfür benötigt man auch die Mithilfe aller Beteiligten des jeweiligen Unternehmens. Sämtliche Mitarbeiter/-innen, Zulieferer und andere anhängigen Personen und Institutionen. Allerdings sollte die Kampagne auch nicht das höhere Ziel sein, sondern der Versuch den Klimawandel zu beenden. Wir helfen Ihnen sehr gerne dabei ihr grünes Produkt ins Rampenlicht zu bringen.

Schwarz Weiß Portrait Thomas Stadler

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mein Name ist Tommy und ich bin bei Weder & Noch im Bereich Controlling / Finance tätig. Ich freue mich über Feedback oder Ihre Kontaktaufnahme. Wenn Sie mehr über uns als Agentur erfahren wollen, werfen Sie doch einen Blick auf unsere Seite.