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September 2020

Data made beautiful

Die schönen Seiten von Daten

Lesezeit: 5 Minuten

Abstrakte Darstellung von Daten als ein Netzwerk

Daten: die Währung unserer Zeit

Unsere Welt ist voll mit Daten. Umfragedaten, Kundendaten, Geburtsdaten, kalendarische Daten. Bei vielen ist das Thema Daten eher negativ konnotiert, vor allem in Bezug auf Datenschutz. Daten werden vor allem dafür verwendet Nutzerprofile zu erstellen, Werbung zielgerichtet auszuspielen, im schlimmsten Falle werden sie gestohlen oder verkauft. Doch im Gegensatz dazu, gibt es auch sehr viele kreative, innovative und beeindruckende Wege Daten in etwas Schönes und sogar Erhabenes zu verwandeln.

Im Folgenden zeigen wir, was bei der Visualisierung von Daten so alles möglich ist, wenn inspirierende Künstler sich mit wissenschaftlichen Projekten auseinandersetzen.

Digitale Kunst mit Refik Anadol

Der Medienkünstler aus Istanbul nutzt Daten als Farben und malt mit einem imaginären, digitalen Pinsel. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Big Data modelliert er Datenskulpturen. Das Ergebnis sind nicht nur Kunstwerke, sondern emotionale Erlebnisse für den Betrachter voller überraschender Effekte und fließender Energien. Unterlegt mit Musik, abgestimmt auf die Bewegung der Animation, entfachen die Werke eine fast meditative Wirkung. Die Themen seiner Kunst könnten verschiedener nicht sein.

In „Melting Memories“ werden menschliche Gehirnströme zum Leben erweckt, also Erinnerungen sichtbar gemacht. Seine Arbeit „Bosphorus“ findet nicht nur auf einer Leinwand statt, sondern wird gleichzeitig auf eine Bodenfläche projiziert. Als „Farben“ dienen die Hochfrequenz-Radardaten der Oberflächenaktivität des Bosporus, der Heimat Refik Anadols. Durch die Bespielung von Wand und Boden, taucht der Betrachter fast wortwörtlich in den Bosporus ein. Die Kunstwerke sind ein echtes Erlebnis.

Mit Daten Tote wieder lebendig machen mit „The Next Rembrandt“

Schon etwas in die Jahre gekommen ist das Projekt „The Next Rembrandt“. Trotzdem ist es eine Erwähnung wert, denn hier wird auf beeindruckende Weise gezeigt, was gesammelte Daten gepaart mit künstlicher Intelligenz leisten können. Rembrandt van Rijn, gestorben 1669, war einer der bedeutendsten Künstler des Barocks – 2016 entstand ein neues Gemälde des Künstlers.

Alle bekannten Werke Rembrandts wurden bis ins kleinste Detail analysiert. Hierfür kamen 3D-Scanner und Deep Learning Algorithmen zum Einsatz. So entstand eine riesige Datenmenge mit Informationen zur Wahl seiner Motive sowie seines Malstils. Nach Sichtung und Auswertung dieser Daten wurde ein Motiv für das neue Gemälde festgelegt: ein Portrait eines weißen Mannes zwischen 30 und 40, Bart, in schwarzer Kleidung, mit weißem Kragen und Hut, den Blick auf den Betrachter gerichtet.

Ein Algorithmus schuf genau dieses Bild und empfand dabei sogar die unverkennbare Maltechnik des Künstlers nach. Rembrandts Stil zeichnet sich insbesondere auch die Plastizität seiner Gemälde aus, welche durch mehrere Farbschichten gewonnen wird. Durch 3D-Scans gewann man die benötigte Height Data, mit deren Hilfe und einem 3D-Drucker die Pinselstriche Rembrandts fast originalgetreu nachempfunden werden konnten. Mehr zu diesem Projekt können Sie hier sehen.

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Eine Reise durch den menschlichen Körper

In Linz, Österreich gibt es seit 1996 das Ars Electronica Center. Dieses hat es sich zum Ziel gemacht, die Technologien der kommenden Generationen bereits in der Gegenwart für jede Altersstufe erreichbar zu machen. Dazu werden verschiedene Bereiche aus Kunst und Technologie thematisch miteinander verwoben, darunter künstliche Intelligenz, Neurowissenschaften, Robotik, autonome Mobilität sowie Gen- und Biotechnologie.

Die verschiedenen Ausstellungen bzw. interaktiven Stationen, Kunstwerke, Forschungsprojekte und Projektionen sind darauf ausgerichtet, dass der Mensch mit seiner (zukünftigen) Umgebung besser umgehen kann. Außerdem verfügt das Ars Electronica Center über ein Deep Space 8K Kino.

In Zusammenarbeit des Ars Electronica Futurelab und den Siemens Heltheneers wurde ein virtueller Anatomiesaal der Zukunft entwickelt. Das Programm „Cinematic Rendering“ spielt mit der Möglichkeit den menschlichen Körper wie einen Raum „begehbar“ zu. Durch eine anschauliche 3D-Visualisierung kann das Innere des Menschen Schicht für Schicht – Organe, Muskulatur, Knochen, das Herz-Kreislauf- oder Nervensystem – bei einer eindrucksvollen Tour erkundet werden.

Die Bildauflösung des Deep Space 8K ermöglicht nicht nur die Betrachtung des Körpers als 3D-Modell, sondern die zeitgleiche Einblendung detaillierter Grafiken und Informationen. In Zusammenarbeit mit der Johannes Keppler Universität Linz entstand mit diesem „Universum Mensch“ ein erster dreidimensionaler Anatomieatlas, der visuelles Verstehen von Zusammenhängen im menschlichen Körper auf eine neue Ebene hebt. Dieses 3D-Abenteuer ist für jeden interessant, nicht nur für Mediziner oder Medizinstudenten. Mehr zu diesem Projekt lesen Sie hier.

Digitales Lernen mit Marshmallow Laser Feast

Zu den Meistern der ästhetischen Visualisierung zählt das Londoner Studio „Marshmallow Laser Feast“. Hauptaugenmerk des Studios liegt auf real-life VR-Erlebnissen. „In the eyes of an animal“ war ihr erstes weltweit bekanntes Projekt. Eigentlich handelt es sich hierbei nicht nur um ein virtual reality, sondern um ein „mixed reality“ Projekt. Neben dem Sehsinn (mit einer VR-Brille) werden nämlich auch der Geruchs- oder Tastsinn über eine Art Helm mit in die Installation einbezogen.

Die Erschaffer des Projektes laden den Betrachter dazu ein, den Wald aus den Augen verschiedener Tiere wahrzunehmen und zu erkunden. Hierfür wurden ein Mosquito, eine Libelle, ein Frosch und eine Eule ausgewählt. Im Vergleich zu uns Menschen nehmen Tiere ihre Umgebung völlig anders wahr.

So kann ein Mosquito beispielsweise CO2 in der Luft „sehen“ und daher auch uns Menschen – seine Beute – sehr gut wahrnehmen. In der Installation werden deswegen CO2-Ströme sichtbar gemacht, um das Sehen des Mosquitos, also seine Version der Wirklichkeit nachzuvollziehen. Als Menschen tauchen wir über den „mixed reality“ Helm in diese wundersame Welt ein und können den Wald auf eine fantastische und für uns vollkommen befremdliche Art und Weise neu erleben. Für jedes der oben genannten Tiere wurde eine eigene kunstvolle Welt geschaffen.

Auch hier zählt nicht nur der künstlerische Zweck. Wir sehen diese Art von Eintauchen und Kennenlernen neuer Welten als Lernen der Zukunft. Durch Daten wie CO2-Ströme im Wald ließe sich beispielsweise der Ablauf und die Auswirkung von Photosynthese wunderbar bildhaft und leicht verständlich darstellen.

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Julia Koellnberger Art Director Teammitglied Muenchen

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mein Name ist Julia und ich bin bei Weder & Noch im Bereich Art Direction tätig. Ich freue mich über Feedback oder Ihre Kontaktaufnahme. Wenn Sie mehr über uns als Agentur erfahren wollen, werfen Sie doch einen Blick auf unsere Seite.