Blog Social Media Fake News

September 2021

Fake News

Oder zu deutsch: Desinformationen.

Lesezeit: 6 Minuten

Entstehung von Desinformationen - Media Overload mit Zeitung, Laptop, iPad und Handy

Fake News oder Desinformationen

Bei dem Begriff „Fake News“ denken die meisten wohl an die USA und den ehemaligen US-Präsidenten mit der fragwürdigen Frisur und dem noch viel fragwürdigeren Regierungsstil. Doch haben es die Fake-News schon längst über den großen Teich geschafft, wobei sie hierzulande als Desinformation betitelt werden. Aber was meinen wir damit eigentlich?

Desinformation: Definition und wer definiert das überhaupt?

Der Duden definiert das Wort mit „bewusst falsche Information zum Zwecke der Täuschung“. Darunter fallen Gerüchte und Lügen, welche frei erfunden sind, aber auch Inhalte, die aus dem Kontext gerissen wurden und somit Dritten einen falschen Eindruck weitervermitteln. Die Autoren des Social Media Watchblogs betiteln es als „die Schnittmenge aus Fehlinformationen (falsch) und Malinformation (bösartige Absicht)“.

Fehlinformation: Falsche Informationen, die unabsichtlich und ohne Täuschungsabsicht verbreitet werden. Darunter verstehen wir unter anderem journalistische Fehler, falsche Interpretationen und teils auch reißerische Überschriften oder Satire, falls diese bei den Rezipient*innen ein falsches Bild erzeugen.

Malinformation: Zutreffende Informationen, die gezielt veröffentlicht werden, um Schaden anzurichten. Beispiele sind Leaks, Doxing (das Zusammentragen und Veröffentlichen persönlicher Daten gegen den Willen der Betroffenen), Revenge Porn und dekontextualisierte Fotos oder Fakten, die Hass oder Angst schüren sollen.

Quelle: socialmediawatchblog.de, September 2021

Da wir den Absender*innen von Desinformation keine falsche Intention unterstellen wollen, belassen wir es bei dieser Schnittmenge, ohne sie genauer abzugrenzen.

Wann wird eine fehlerhafte Information zur Desinformation?

Viele Aussagen werden von den meisten Menschen sofort automatisch als „fake“ wahrgenommen: Klimawandel gibt’s nicht, Trump hat die US-Wahl 2020 gewonnen und Covid-19 ist harmlos. Erschreckend ist es aber, wie viele Menschen sogar diese Aussagen für wahr halten. Und deshalb spricht man auch bei diesen Aussagen von Desinformation.

Gleichzeitig trägt der heutige Medienkonsum dazu bei und dabei schließe ich mich persönlich nicht aus. Daher hier mein persönliches Dilemma: Um beispielsweise eine bekannte Tageszeitung aus dem Süddeutschen Raum komplett zu lesen, würde ich sehr viele Stunden benötigen, die ich natürlich morgens nicht habe. Somit werden meist die Schlagzeilen nur überflogen und die Artikel gefiltert, nach der persönlichen Einschätzung: „relevant und irrelevant für mich“. Und wenn ich ehrlich bin, kommt die Print-Ausgabe nur bei meinen Eltern auf den Frühstücks-Tisch. Daher scrolle ich morgens online über die Schlagzeilen und filtere nach relevant und irrelevant – für mich persönlich natürlich. So bleibt bei letzterem oftmals nur die Überschrift im Kopf, welche zumeist nicht das Thema ganzheitlich behandelt. Ist ja auch klar, wie auch?

Dabei habe ich bewusst eine Tageszeitung gewählt, die die Meisten als „unabhängige Zeitung“ betiteln würden. Aber grundsätzlich kann hier jede x-beliebige genannt werden, denn jede Zeitung nutzt Schlagzeilen und jedes digitale Pendant nutzt „Clickbaiting“.

„Beim Clickbaiting wird durch eine übertriebene Überschrift mit der Neugier der Leser gespielt und versucht, diese zum Klicken, Lesen und Teilen […] anzuregen. Dabei werden bestimmte Schlagworte verwendet und mit den Emotionen, Gedanken und Gefühlen der User gespielt. Clickbaiting funktioniert nach demselben Prinzip wie Schlagzeilen in Printmagazinen oder ein Cliff-Hanger in Filmen.“

Quelle: unternehmer.de

Und dies ist meiner Meinung nach der häufigste Weg, wie eben aus Fehlinformation Desinformation entsteht, wobei ich hier niemanden Malinformation unterstellen möchte. Aber Schlagzeilen gibt es doch schon immer, warum ist Desinformation dann so brisant?

Desinformation im heutigen (digitalen) Zeitalter

Es gab schon immer Menschen, die Fehl- oder Malinformation im Freundeskreis weitergegeben haben. Ob beim Kaffee-Klatsch oder beim Stammtisch – jeder kennt solche Menschen oder hat sich selbst schon mal so verhalten. Und auch wenn aus der ursprünglichen Runde das Thema aufgegriffen und im eigenen Umkreis weiterverbreitet wurde, so hat es selten die Dorf-/Stadt-Grenze überschritten und beim nächsten Treffen gab es bereits wieder ein neues Thema.

Doch die digitalen Medien und Kommunikationsplattformen haben diese Grenze eben nicht. Aussagen können dort veröffentlicht und mehrfach geteilt oder erneut publiziert werden. Natürlich versuchen die Tech-Giganten Fakten-Checks auf ihren Plattformen zu integrieren. Facebook hat beispielsweise bezüglich der anstehenden Bundestagswahl mehrfach betont, dass sie der Integrität der Wahl die höchste Priorität einräumen. Und auch, wenn wir deren Versuch für gut halten, liefert der Avaaz-Bericht ernüchternde Erkenntnisse: Facebook gelingt es nicht Falschnachrichten zu erkennen und zu kennzeichnen.

Ein aktuelles Beispiel wäre wohl die Desinformation, dass eine weibliche Kanzler-Kandidatin Haustiere verbieten wolle. Frei erfunden, auf einer Facebook-Seite veröffentlicht, mehrfach geteilt und re-publiziert. Sogar den Sprung in die Print-Welt hat diese Desinformation mit den Schlagzeilen „Fordert die Kanzlerkandidatin wirklich ein Haustierverbot?“ und „[…] Hasst sie wirklich Hunde? Zitat macht die Runde – das steckt wirklich dahinter“ geschafft.

Diese beiden Schlagzeilen machen nicht deutlich, dass es sich um eine reine Erfindung einer Facebook-Seite handelt. Da mag einer sagen, naja, aber dann lies doch den Artikel. Aber wer erinnert sich noch an das Dilemma der Zeit oder nennen wir es einfach die heutige Mediennutzung.

Und wenn wir etwas weiter zurückgehen in den Mai 2020: Wir werden das C-Wort nicht aussprechen, aber haben wir hier nicht alle Inhalts-Fetzen sämtlicher Medien aufgeschnappt, einfach weil die Flut so groß war und der Kopf dröhnte. Die meisten haben die Themen „nur“ im Freundeskreis via Video-Calls diskutiert, aber manch einer hat es eben auch digital verbreitet. Und wie schnell ist eine WhatsApp Nachricht weitergeleitet in den nächsten Gruppenchat?!

Was nun? Sind die digitalen Medien mal wieder an allem schuld?

Das wäre wohl die einfachste Herangehensweise. Doch wenn wir die Berichterstattung aller Medien vor allem im letzten Jahr, aber eigentlich auch schon immer, analysieren, wird das Ergebnis sehr ernüchternd sein: Desinformation hatte früher zwar keinen Namen, aber es existierte schon immer. Was hat sich also verändert? Wer ist nun daran schuld? Die Schuld könnte man den „unabhängigen“ Zeitungen geben, den sozialen Medien oder vereinzelten Personen. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich die Schuld mir selbst geben!

Denn wenn ich meine Mediennutzung so anpassen würde, dass ich eben nicht nur Schlagzeilen oder Headlines lese, sondern mir die Zeit nehmen würde, den gesamten Artikel zu lesen, besser noch andere Quellen zu suchen, um weitere Sichtweisen kennenzulernen und mir dann anschließend meine eigene Meinung bilden würde und diese weiter kommuniziere, dann würden Desinformationen zwar global mit Sicherheit nicht verschwinden, aber zumindest würde ich keine im meinen Umfeld verbreiten. Und wenn dies jeder auf sich bezieht, würde es weniger Desinformation geben.

Daher ist meine heutige Intention nur diese Eine: Seid keine Copy-Cats. Bildet euch und habt eure eigene Meinung. Und habt den Mut zu sagen: „Damit kenn ich mich nicht aus, dazu habe ich schlichtweg (noch) keine Meinung.“

Und abschließend, lässt sich nur noch sagen: Wenn Ihnen dieser Denkanstoß gefallen hat, dann würde ich mich freuen, wenn Sie auch meinen Blog „Das soziale Dilemma“ lesen. Denn irgendwie habe ich dort das Thema Desinformation schon behandelt, ohne es so zu betiteln, und gleichzeitig stelle ich gerade fest, dass sich die Fazits auch sehr ähneln … Aber das ist dann wohl immer noch MEINE Meinung! Also bis zum nächsten Mal oder vielleicht bald am Telefon oder per Mail, sofern Sie an unserer Meinung zu marketingspezifischen Themen interessiert sind. Die sind natürlich in der Regel fundiert mit zahlreichen Quellen. 😉

steffi k

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mein Name ist Steffi und ich bin bei Weder & Noch im Bereich Account / Project Management tätig. Ich freue mich über Feedback oder Ihre Kontaktaufnahme. Wenn Sie mehr über uns als Agentur erfahren wollen, werfen Sie doch einen Blick auf unsere Seite.